Vesak - Full Moon Poya Fest

Vesak gilt weltweit als das bedeutendste Fest der Buddhisten – wir berichten über seine Grundsätze, Prozesse und Rituale, wie sie üblicherweise in Sri Lanka gelten und praktiziert werden.
In diesem Jahr muss leider, aufgrund der großen Welle neuer Covid-19 Infektionen in Sri Lanka, von den üblichen Festaktivitäten abgesehen werden.

Das Wort Vesak ist eigentlich nur die Bezeichnung eines Monats aus dem singhalesischen Kalender. Das neue Jahr beginnt dort stets im April. Der erste Monat heißt auf Singhalesisch BAK und der zweite VESAK.

Nun gibt es ja in jedem Monat einen Vollmond-Tag. In Sri Lanka wird dieser Poya Day genannt und hat im Monat Vesak eine herausragende Bedeutung, denn an diesem Tag wurde Siddhartha Gautama in Nepal geboren. Jahre später erlangte er am gleichen Tag die Erleuchtung als Buddha und weitere Jahre später trat er an demselben Vollmondtag aus dem Kreislauf der Wiedergeburten aus und ging ins Nirvana ein.

Buddhisten auf der ganzen Welt feiern an dem Vesak Tag das größte religiöse und kulturelle Fest des Jahres. Für die singhalesischen Buddhisten hat er darüber hinaus auch eine nationale Bedeutung und ist wichtig für die singhalesische Identität. Das gilt jedoch nicht für die gesamte srilankische Bevölkerung.

Die Bedeutung des Vesak Tages zeigt sich schon lange vorher: drei bis vier Monate vor dem Fest werden in kleinen und größeren Städten Thorone gebaut, eine Geschichte der Wiedergeburt Buddhas wird als Thema ausgewählt, in einem riesigen aus Bambus gefertigten Lichttempel in Bildern dargestellt und rundherum mit Glühlampen erleuchtet – ein Ausflugsziel für viele Familien während der Festtage. Sie reisen in Bussen an, um z.B. die zehn bis 15 Thoronas von Colombo zu besichtigen.

Einen Monat vor dem Vesaktag bauen die Kinder zuhause Laternen aus Papier mit Bambus und einem Klebstoff aus Mehl und Wasser – sie werden u.a. auch für einen Laternenwettbewerb geschmückt.

Äußerlich verändert sich das Straßenbild. Die Buddhisten jedes Dorfes schmücken Häuser und Plätze mit Laternen. Buddhistische Fahnen werden aufgehängt

Einen Tag vor Vesak gilt ein Verbot von Alkohol- und Fleischkonsum. Die Menschen sollen sich erinnern, achtsam zu leben. Die Fastenzeit gilt bis zum nächsten Morgen nach Vesak und wird sehr ernst genommen.

In Sri Lanka ist es üblich, Speisen und Kleidung an Mönche, Arme und Bedürftige zu verschenken. Auf den Straßen gibt es kleine Stände, an denen kostenlos Getränke und Essen verteilt werden. Eine große Freude für alle Kinder. In vielen kleinen Büchlein wird für die Lehren Buddhas geworben. Für alle Ausgaben sammelten Familien und Mönche in den Tagen davor Spenden.

An Vesak werden in den Schulen besondere Aktionen veranstaltet: die in Weiß gekleideten Kinder lernen die Lehren Buddhas. Dazu übernehmen Mönche den Unterricht, es wird diskutiert, es gibt Übungen in Meditation. „Manchmal blieben wir Kinder auch über Nacht in der Schule“, erinnert sich Ananda.

Vesak ist auch ein Fest des Lichts. Fast alle Familien zünden zuhause Öllämpchen an. In den Tempeln sind es manchmal sogar 84.000 Lichter, denn die Lehre Buddhas hat 84.000 Strophen.

An Opfertischen vor den Tempeln werden Blüten und Räucherstäbchen angeboten. In Weiß gekleidete Familien treffen sich in den festlich geschmückten Tempeln. Es wird gebetet und meditiert. Auch hier leiten Mönche in speziellen Unterrichtseinheiten Übungen zur Meditation an. Besondere Atmung wird geprobt, auf liebevolle Hingabe und Mitgefühl für Familie, Freunde und Notleidende wird großer Wert gelegt.

Die Menschen erinnern sich an bestimmte Regeln des sozialen Miteinanders, die auch alle für uns gelten, zum Beispiel:

- nicht töten
- nicht verletzten
- nicht lügen
- nicht stehlen
- nicht fremdgehen

Typisch für das Vesakfest ist das Verschicken von Karten – ähnlich wie zu Weihnachten bei uns.
Weiterhin typisch ist, dass Tiere freigelassen werden. Häufig werden Rinder von Schlachtern abgekauft und dann in die Freiheit entlassen.

Das Vesakfest endet selten am Tag nach der Vollmondnacht, in der Regel gehen die Feierlichkeiten noch vier bis fünf Tage weiter. Die Betriebe machen dann drei bis vier Tage dicht.