Weihnachten in Sri Lanka

Wir erkennen erstaunlich viele Parallelen zu den bei uns bekannten Verhaltensweisen, zeigen aber auch einige Unterschiede auf.

Wenn es draußen kalt und dunkel wird, kommt der Weihnachtsmann! Jedenfalls in Europa. Sein dicker, roter Mantel schützt ihn vor der Kälte und auf dem Rentierschlitten transportiert er die Geschenke für die Kinder. Wenn er nun aber in ein Land kommt, wo Badehose und Surfbrett besser zum Klima passen, was macht er dann anders?

Da wir es nicht wissen, haben wir Pradeep (Moslem) und Anslem (Christ) gefragt. Sie sind in Sri Lanka geboren und kennen alle Sitten und Gebräuche in ihrer Heimat. Die Antworten lassen erstaunlich viele Parallelen zu den bei uns bekannten Verhaltensweisen erkennen, zeigen aber auch einige Unterschiede auf.

Obwohl Weihnachten ein rein christliches Fest ist, sind dessen Bedeutung und der religiöse Hintergrund auch in Sri Lanka bekannt. Trotzdem freuen sich neben den Christen auch Buddhisten, Muslime und Hindus auf das traditionelle Ereignis. Schließlich ist Sri Lanka ein Land mit großer Vielfalt und gemeinsame Feiern können helfen, Toleranz und gegenseitiges Verständnis zu erzeugen.

unknown.jpeg

Wie bei uns werden Geschäfte, Büros und Hotels schon in der Vorweihnachtszeit dekoriert. Relativ neu ist der Trend, mit Zweigen, Blättern und Jute ein besonderes Ambiente zu schaffen. Leider ist dabei auch das kommerzielle Interesse nicht zu übersehen. „Sale“-Schilder werben überall mit attraktiven Preisnachlässen. Und den Weihnachtsmann lernt man in vielen Einkaufszentren ganz persönlich kennen.

Es gibt aber auch ein vielfältiges soziales Miteinander und eine große Hilfsbereitschaft. Familienangehörige und Freunde im In- und Ausland erhalten aufwendige Grußkarten. Nachts reisen Gruppen von Menschen durch die Städte, besuchen Häuser und singen Weihnachtslieder. Es ist auch üblich, in Waisenhäusern, Altenheimen und Hospitälern Essen und Geschenke zu verteilen. Begleitend dazu bieten die Kirchen zahlreiche Gottesdienste an.

images.jpeg m_rezepte.jpg

Aber - was wäre Weihnachten ohne die traditionellen Speisen und Getränke? Sicher sehr nüchtern! Würstchen und Kartoffelsalat wird man wohl nur bei Einwanderern aus Deutschland finden. Aber Kuchen und Süßigkeiten mögen die Kinder in Sri Lanka sehr gern und die Erwachsenen ebenfalls. Der Arrack ist dagegen eher etwas für die älteren Jungs und der Wein für die jung gebliebenen Mädels. Die Lautstärke bei den Feiern wird nicht nur durch die zahlreichen Feuerwerkskörper erzeugt, auch die Musik trägt ihren Teil dazu bei. Und wenn es mit dem Gesang und den eigenen Instrumenten nicht reicht, hilft ein Verstärker mit seinen Boxen nach.

Das „richtige“ Weihnachtsfest beginnt dann in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember mit der Mitternachtsmesse. Eine Krippe mit dem Jesuskind ist dabei ebenso wichtig wie der Weihnachtsbaum. Und wenn gerade keine dänische Nordmanntanne verfügbar ist, muss ein landestypischer Ersatz her. Hauptsache, er kann bunt und mit vielen Lichtern geschmückt werden. Wie auch bei anderen großen Festen üblich, wird stets neue Kleidung getragen. Der 25. Dezember ist dann im Allgemeinen ein Feiertag. Immer öfter erklären einige Firmen den 26. Dezember zum 2. Feiertag.

175240001.jpg

Ein Weihnachtsbaum steht auch in vielen Privathäusern. Darunter liegen die liebevoll verpackten Geschenke und warten auf den Austausch. Es werden saisonale Snacks und Süßigkeiten gereicht und ein zünftiger Festschmaus ist natürlich auch in Sri Lanka üblich. Es gibt viele Köstlichkeiten mit Fleisch vom Huhn, Rind oder Schwein und zahlreiche landestypische Beilagen. Ein alkoholisches Getränk kann durchaus auch einmal für gute Stimmung sorgen. Eine schöner Brauch ist es, wenn christliche Familien ihre Speisen mit nichtchristlichen Familien teilen. Sie verschenken dann Teller mit ausgewählten Gerichten.

Vermutlich ist Sri Lanka eines der Länder mit den meisten Feiertagen. In der Regel nehmen alle Bevölkerungsgruppen gemeinsam daran teil. Die ethnische Herkunft, die Religion oder der soziale Stand verlieren dann an Bedeutung. Auch wenn – wie wohl überall in der Welt – der eigentliche Sinn eines Festes immer mehr kommerziell überlagert wird, bleibt ein wichtiger Aspekt erhalten: Nach den vielen Rückschlägen (Bürgerkrieg, Tsunami, Terroranschläge) kann daraus neue Hoffnung und Zuversicht entstehen.